Nachlese 2016

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Full House bei der Eröffnungslesung mit Volker Surmann

Im Jahr 2016 fand das schwullesbische Lesefestival „QUEER gelesen“ erstmals im April statt. Vom 22.04. bis 24.04.2016 lasen 13 Autoren aus ganz Deutschland aus ihren Romanen. Zudem siedelte das Festival von Wiesbaden nach Mainz. Wir durften die Veranstaltung in der „Bar jeder Sicht“ ausrichten, die seit Jahren einer der besten und bekanntesten Treffpunkte für LGBT-Belange ist. Mit dem Team der Bar hat „QUEER gelesen“ einen neuen, starken Partner gewonnen, der auch im kommenden Jahr dem Lesefestival einen festen Platz geben möchte. Der Termin steht bereits fest.

Zu den weiteren Sponsoren des Festivals gehören in diesem Jahr zahlreiche Verlage: deadsoft Verlag, Größenwahn Verlag, Homo Literra, Albino Verlag, Incubus Verlag, Butze Verlag, Sieben Verlag und XScandal Books. An dieser Stelle bedanken wir uns einmal mehr für die starke Unterstützung, ohne die das Lesefestival gar nicht möglich gewesen wäre.

Freitag, der 22.04.2016 – Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Volker Surmann

Die Auftaktlesung fand am Freitag vor knapp 50 Zuhörern statt – der Berliner Kabarettist Volker Surmann stellte während seiner 90-minütigen Lesung seine Romane „Mami, warum sind hier nur Männer?“ und „Extremeley Cold Water“ vor. Gerade der Leseslot über das Gay Resort auf Sardinien, in das eine gehörnte Mutter mit ihren zwei Kindern einfällt und für Chaos unter den schwulen Urlaubern sorgt, brachte viele Zuhörer zum Lachen. Auch die Ausschnitte aus dem Roman „Extremely Cold Water“ machten neugierig auf das Buch. Alles in allem, wurde das Programm am Freitag sehr gut aufgenommen und war ein guter Einstieg in die folgenden Tage des Lesefestivals.

Samstag, der 23.04.2016 – Die sechs „J“ in voller Fahrt

Am Samstag standen ab 16:30 Uhr die ersten sechs Lesungen auf dem Programm – dieses Mal hatten die Autor/Innen nur eine halbe Stunde, um ihre Bücher vorzustellen. Den Anfang machte Judith Hüller, die aus ihrem humorigen Roman „Violett ohne Ende“ las, der bei Carlsen Instant Books erschienen ist, ein freches Buch über zwei Seriendarstellerinnen, die in einer Soap Opera ein lesbisches Paar mimen und erkennen müssen, dass Fans mehr in ihre Beziehung hineininterpretieren, als ihnen lieb ist.

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Büchertisch

Im Anschluss wurde es etwas ernster und dramatischer – Julia Mayer stellte ihren lesbischen Coming-Out Roman „Frostbiss“ vor, bei dem sich Dörthe in ihre neue Klassenkameradin Philippa verliebt. Die Lesung aus dem ruhigen Coming-of-Age Roman stellte Julias erste Lesung vor breiterem Publikum dar.

Nach ihr las Jana Walther, die bereits beim ersten schwullesbischen Lesefestival in Wiesbaden zu Gast war. Sie stellte ihren Kurzroman „Anna und Eva – Nur eine Frage der Liebe“ vor, der frisch zum Lesefestival erschienen ist. Mit sehr ruhigen und gefühlvollen Worten erzählte sie die Geschichte der Künstlerinnen Anna und Eva, die beide mehr zu verbergen haben, als es auf den ersten Blick scheint.

Janas Roman bot den perfekten Übergang zu Jobst Mahrenholz Transgender-Geschichte „Haus aus Kupfer“, in dem die junge Felia auf dem Begräbnis des Familienoberhaupts Lu ihre neue Identität preisgibt – die des Jungen Felice. Während die Reaktionen innerhalb der Familie gespalten sind, ist es sein Cousin Giacco, der von Anfang zu Felice hält und diesen unterstützen will.

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Blick in Jana Walthers Lesung

Im Anschluss sorgte Andromeda Spice für eine gänzlich andere Atmosphäre. Er entführte das Publikum ins Weltall zum Planeten XLD-32b, auf dem die Agentinnen und Astronautinnen Ovo, Misty und Wilma (auch bekannt unter: die sechs Möpse) notlanden und auf den jungen Ludo treffen. Die sechs Möpse haben eine gefährliche Mission zu erfüllen – die Verhinderung des dritten Interstellaren Zickenkriegs, und bekommen dafür Hilfe bei Ludo, da sich der skurrilen Transen anschließt. Auch dieser Autor (dessen Voname mit J beginnt) las erstmals vor breitem Publikum aus seinem im Selbstverlag veröffentlichten Werk.

Die letzte Lesung bestritt schließlich T.A. Wegberg (Jordan), der seinen Roman „Du weißt es nur noch nicht“ vorstellte, der von Jesper handelt, der als Jugendlicher entführt wurde und seitdem ein sehr zurückgezogenes Leben führt. Das ändert sich, als er die neuen Nachbarn kennenlernt, die ihn schnell akzeptieren, jedoch ein düsteres Geheimnis haben, das bis in Jaspers Vergangenheit reicht.

Mit der spannenden Lesung von Jordan, der uns erst darauf hinwies, dass die Vornamen der lesenden Autoren des zweiten Festivaltages mit J begonnen (sehr charmant, besonders in Aliteration zu den sechs Möpsen ;)), endete das Samstagsprogramm des Lesefestivals. Mit zumeist 20-30 Besuchern pro Lesung waren die einzelnen Leseslots gut besucht. Auch zum Ausklang ab 21:00 Uhr blieben viele Zuhörer, was zu spannenden Gesprächen und Unterhaltungen führte.

Sonntag, der 24.04.2016 – Zwischen Werwölfinnen, Löwengestaltwandlern und „zauberhaften“ Orcs

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Lina Kaiser in Aktion

Am Sonntag startete „QUEER gelesen“ bereits um 11:00 Uhr. Für alle Frühaufsteher fand in der Bar jeder Sicht ab 11:00 Uhr ein wundervolles (Autoren)-Brunch statt. Dieses Mal konnten nicht nur die Autoren daran teilnehmen, sondern auch die Besucher der Lesungen und natürlich die Stammgäste der Bar jeder Sicht, da der Brunch für jeden Interessierten offen war. Alle Plätze waren bereits am Samstagnachmittag ausgebucht.
Die Lesungen selbst starteten am Sonntag bereits um 14:00 Uhr mit einer alten Bekannten, die bereits mehrfach bei QUEER gelesen aus ihren charmant-ironischen Projekten lesen konnte: Nino Delia stellte ihren Roman „Als die Mädchen zu Wölfen wurden“ vor, in dem die junge Robyn in einer Welt lebt, in der das absolute Patriachat herrscht. Ihre devote Haltung und Weltsicht ändert sich erst, als sie die geheimnisvolle Gwen kennenlernt.

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Gespräche nach den Lesungen

Im Anschluss stellte Lina Kaiser ihre Romane „Im Abseits der Lichter“ und „Tanz ins Flutlicht“ vor, in denen es um die junge Katinka geht, die während der Schulzeit mitbekommt, dass sich auf Mädchen steht. Es folgt nicht nur eine sehr turbulente Liebesgeschichte mit der kühlen Emilia, sondern auch die Hürden ihres Coming-Outs vor Freunden und Familie.

Ab 15:30 Uhr stand „QUEER gelesen“ ganz im Sinne der schwulen Literatur – den Anfang machte die bekannte Autorin Chris P. Rolls, die zum einen aus ihrem sehr erotischen und witzigen Kurzroman „Dirty Devil“ las und anschließend exklusive Einblicke in ihr neustes Werk „Highspeed Love“ gewährte, in dem es um den Motocrosser Cole geht, der zum Start der Saison einen neuen Mechaniker bekommt – Maxwell, den Zwillingsbruder seines ärgsten Konkurrenten Miles.

Nach der unterhaltsamen Lesung von Chris folgte eine weitere Premiere – Savannah Lichtenwald las erstmals aus ihrem Roman „Das Monster des Prinzen“, einer dramatischen und berührenden Geschichte über zwei junge Männer. Der Roman beginnt in der Schulzeit von Phillip und David, in der die beiden Teenager das klassische Täter-Opfer-Schema durchleben, macht dann aber einen Zeitsprung um sechs folgenschwere Jahre, die für die jungen Männer die sprichwörtlichen „Karten“ neu verteilen.

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Chris P. Rolls kündigt Bianca Nias an

Mit „Die Seelenlosen“ präsentierte die Wiesbadener Autorin Tanja Meurer ihr neustes Werk, einen spannenden Steamfantasy Krimi, in dem der Kriegsveteran Gwenael Chabod zusammen mit dem Dieb Jaleel eine brutale, mit Automaten verübte Mordserie in Valvermont aufklären muss. Bald weiß er nicht mehr, wem er vertrauen kann, denn auch sein Geliebter, ein Orcpriester, scheint in die blutigen Machenschaften verwickelt zu sein.

Das große Finale am Sonntagabend bestritt schließlich Bianca Nias, die aus dem ersten Band ihrer Gestaltwandlerreihe „Bruns_LLC“ las und „Tajo@Bruns_LLC“ vorstellte. In dem stark erotischen Roman begegnet der Informatiker Marc während eines Auftrags dem gutaussehenden Tajo und landet recht schnell mit seinem Auftraggeber im Bett. Auf was er sich da eingelassen hat, erfährt Marc erst später, als sich herausstellt, dass Tajo ein Löwengestaltwandler ist und das Rudel in ernsten Schwierigkeiten steckt.

Fazit:

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Veranstalterin Juliane Seidel

Auch dieser Tag war gut besucht und konnte trotz verkaufsoffenem Sonntag etliche Zuhörer anlocken. Insgesamt war das 3. „QUEER gelesen“ erfolgreicher und besser besucht als die Male davor. Die Bar jeder Sicht erwies sich als perfekter Veranstaltungsort, der sowohl bei den Autoren, als auch den Besuchern gut ankam. Daher bedanken wir uns ganz besonders beim Team der Bar jeder Sicht, die uns in allen Punkten unterstützt haben. Ebenso gilt unser Dank den Autoren und Besuchern, sowie den Sponsoren, ohne die es „QUEER gelesen“ in dieser Form nicht gäbe. Wir freuen uns daher auf eine Wiederholung des schwullesbischen Lesefestivals im Jahr 2017 – die Veranstaltung wird vom 21.04.-23.04.2017 in der Bar jeder Sicht stattfinden.

Die lesenden Autoren

 

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